Initiative nachhaltiges Wirtschaften

Lernen und Handeln für unsere Zukunft

Online-Seminar am 12. Juli 2022

Nachhaltigkeit wird für Unternehmen immer wichtiger als Erfolgsfaktor. Es geht um den Beitrag der Unternehmen zu den großen Umweltthemen unserer Zeit, aber auch immer um soziale und wirtschaftliche Faktoren. Investoren, Banken, Versicherungen und Kunden achten bereits jetzt verstärkt auf Nachhaltigkeitsaspekte. Sie setzen auf eine Offenlegung ihrer nichtfinanziellen Kennzahlen durch Nachhaltigkeitsberichte.

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All das wird auch durch rechtliche Anforderungen angetrieben. Im Rahmen der derzeit in Bearbeitung stehenden „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) soll die Berichterstattungspflicht ab 2024 auf weitere Unternehmen ausgeweitet werden und die Anforderungen weiter zunehmen. Das war der Hintergrund unseres Online-Seminars.

Online-Seminar „Nachhaltiges Wirtschaften und Nachhaltigkeitsberichterstattung - Aufgabe und Chance für den hessischen Mittelstand“

Über 100 Teilnehmer aus Unternehmen, Institutionen und Verwaltung nutzten am 12. Juli 2022 die Chance, sich in 90 Minuten zum Thema nachhaltiges Wirtschaften und der Nachhaltigkeitsberichterstattung einen ersten Einblick zu verschaffen. Das Seminar war ein Angebot im Rahmen der Initiative für verantwortungsvolles, nachhaltiges Wirtschaften der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen für die Charta-Unterzeichner der Initiative wie auch für alle sich interessierenden Wirtschaftenden. Die Kooperationspartner RKW Hessen GmbH und die Transformation zur Nachhaltigkeit GmbH stellten die Notwendigkeit zum frühzeitigem nachhaltigen Handeln dar und verdeutlichten, wie das in jedem Unternehmen umsetzbar ist.

Zur Präsentation der RKW Hessen GmbH

Zur Präsentation der Transformation zur Nachhaltigkeit GmbH

Nachhaltiges Wirtschaften...

  • entspricht den Anforderungen, die aufgrund der Berichtspflicht und des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes immer öfter von (potenziellen) Kunden angefragt werden (KMU in Zuliefer- / Stakeholderbeziehungen stehend)
  • wird zunehmend zum Kriterium für Bankenfinanzierungen, Fonds und Versicherungen (EU-Taxonomieverordnung)
  • vereinfacht zukünftig Genehmigungsverfahren
  • verbessert das Unternehmens-Image
  • ist attraktiv für Beschäftigte und Bewerber/innen
  • macht das Unternehmen zukunftsfest (integriert Nachhaltigkeit im Kerngeschäft, schafft Vertrauen, erhöht Produktivität, stete Orientierung -> neue Geschäftsfelder, Kostenrisiken)
  • leistet Beiträge für Umwelt und Gesellschaft

Wo kann im Unternehmen für ein effektives und effizientes nachhaltiges Wirtschaften mit den verfügbaren Ressourcen angedockt werden? Welche Maßnahmen und Prozesse laufen bereits in diese Richtung? Einen Überblick hierfür sowie zur Leitbildbestimmung geben die ökologischen, sozialen und ökonomischen Entwicklungsziele im Unternehmen – die von der Wahl des Standortes über Green IT bis hin zu über das Unternehmen hinausgehendes regionales Engagement reichen:

  • Gehen Sie für Ihr Unternehmen die relevanten Nachhaltigkeits-Themen durch.
  • Erarbeiten Sie Ihren Status Quo, Ihre To-Dos und Prioritäten. (Einstieg mit Vorhandenem - Ökoprofit, Energieabrechnungen)
  • Dokumentieren Sie, was Sie tun, in einem Nachhaltigkeitsbericht.
  • Nehmen Sie Unterstützung in Anspruch, wenn es alleine nicht klappt! (bspw. Netzwerk der Charta-Unterzeichner) oder mithilfe von ecocockpit www.lea-hessen.de/unternehmen/treibhausgasbilanzierung-erstellen/  sowie dem Energiebuch „E-Tool“ www.energieeffizienz-handwerk.de/energiebuch
  • Veröffentlichen Sie Ihr Nachhaltigkeitsengagement!
  • Werden Sie Teil der Wirtschaftsinitiative nachhaltiges Wirtschaften Hessen und unterschreiben Sie die Charta der Initiative.
  • Tragen Sie bei zum Tag der Nachhaltigkeit am 22.09.!

Als Beispiel für Nachhaltiges Wirtschaften und Berichterstattung

Gesetzliche Grundlagen

Ab dem Jahr 2024 müssen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden und einem Nettoumsatz von 40 Millionen Euro über die Wirkungen ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten auf Umwelt und Gesellschaft konkreter berichten. Bis dato noch nicht der Richtlinie über die Angabe nichtfinanzieller Informationen unterliegende große Unternehmen müssen ab Januar 2025 berichten. Für kapitalmarktorientierte KMU sowie für kleine und nicht komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen gelten diese Vorschriften ab 1. Januar 2026 ebenfalls.

Ausnahmen sollen für kleine und mittlere Unternehmen in einer Übergangszeit bis 2028 möglich sein – d. h. sie sind bis 2028 nicht berichtspflichtig (siehe Folien 6, 7, 12 Datei 20220712_NH-Berichter­stattungKMU_ÜberblickTrischler).

Die neuen Regeln zielen insbesondere auch auf die Veröffentlichung der Auswirkungen auf Umwelt, Menschenrechte und Sozialstandards (ESG), entsprechen einer ganzheitlichen dreidimensionalen Betrachtung und beziehen vor- und nachgelagerte Bereiche (Lieferanten / Nutzer / Entsorger - doppelte Wesentlichkeitsperspektive („Double Materiality“) mit ein. Diese Angaben unterliegen künftig einer Prüfung und Zertifizierung von akkreditierter unabhängiger Seite. Die Veröffentlichung der Daten erfolgt künftig im Lagebericht.

Damit werden Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung gleichwertig eingestuft. Greenwashing wird vorgebeugt. Verbraucher und Anleger erhalten somit Zugang zu  transparenten und vergleichbaren Daten.

Neben der politischen Vorgabe fordern die gegenwärtigen Herausforderungen wie Energie- und Ressourcenkosten, Pandemiefolgeschäden und ein sich in Richtung Nachhaltigkeit orientierender Finanzmarkt die Unternehmen, ihre Strukturen und Prozesse konkreter unter die Lupe zu nehmen. Dies wird sich auch auf die noch nicht berichtspflichtigen kleinen und mittleren Unternehmen entsprechend auswirken.

Nachhaltigkeit wird zum unternehmerischen Verständnis und Werttreiber. Es gilt, klassische Unternehmensziele wie Umsatz- und Gewinnsteigerung mit Umweltschutz und sozialer Verantwortung unter einem Hut zu bekommen.

Worin besteht der Nutzen der Berichterstattung?

Das Kriterium Nachhaltigkeit im Unternehmen und in der gesamten Lieferkette entscheidet immer mehr über die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen – steuert sozusagen die Entwicklung der Geschäftsmodelle mit Blick nach vorn und wertbasierter Perspektive:

  • Nachhaltigkeitsengagement wird sichtbar
  • Indikatoren zur Messung und Handhabung erlauben Vergleiche
  • Kommunikation gegenüber Stakeholdern wird erleichtert
  • Nachhaltige Produktgestaltung wird gefördert
  • Verbesserung der Reputation
  • Verbesserter Zugang zu Kapital
  • Grundlage für strategische Nachhaltigkeitsmanagement
  • Management der Zukunftsstrategie schafft Vorsprung

Die integrierte, ganzheitliche und unternehmens-spezifische Gesamtsicht von monetären und nicht-monetären Kennzahlen im Unternehmen und entlang der Lieferkette in einem Nachhaltigkeitsbericht festzuhalten, ist komplex und vielschichtig (s. Folie 14 Datei 20220712_NH-Berichter­stattungKMU_ÜberblickTrischler).

Daher stehen hierfür verschiedene Berichtsstandards zur Verfügung, die sich an relevanten internationalen Rahmenwerken für Nachhaltigkeit orientieren – wie bspw. die Sustainable Development Goals (SDGs), die Berichtsstandards der Global Reporting Initiative (GRI) oder der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS). Weitere Rahmenwerke wie Managementsystem-Normen (bspw. ISO 14001, ISO 50001) oder auch die ISO 26000-Leitlinie können zur Orientierung (nicht Umsetzung der Norm) dienen.

Für KMU ist ein angepasster weniger umfangreicher Standard möglich, der sich auf folgende Kriterien konzentriert:

  • Geschäftsmodell und Strategien
  • Nachhaltigkeitskonzepte bzw. -ziele
  • negative Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten
  • wesentliche Risiken
  • Indikatoren zu diesen Angaben

ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften (Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke)  

Der Standard berücksichtigt in den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit Ökologie / Soziales / Ökonomie sowie der nachhaltigen Unternehmensführung alle relevanten internationalen Rahmenwerke der Nachhaltigkeit (Sustainable Development Goals (SDGs), Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK), Global Reporting Initiative (GRI).  Er basiert auf 30 Handlungsfeldern in den drei Nachhaltigkeitsbereichen, wird in einem strukturierten Managementsystem bzw. im kontinuierlichen Verbesserungsprozess entwickelt und ist für Unternehmen ein praktikables Instrument (s. Folie 15 Datei 20220712_NH-Berichter­stattungKMU_ÜberblickTrischler). Der Quick-Check ist kostenfrei.

Deutschen Nachhaltigkeitskodex - DNK (vom Rat für Nachhaltige Entwicklung - RNE - im Oktober 2011 veröffentlicht)

Neben Angaben zu Geschäftszweck, Produkten und Dienstleistungen, Geschäfts­ergeb­nissen, Vertretungsregeln, Sicherungsmaßnahmen und dem Standort des Unternehmens wird zu 20 Kriterien in den Bereichen Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft berichtet. Als Indikatorenbasis dient entweder ein Kurz-GRI mit 28 oder EFFAS-KPI´s mit 16 Indikatoren. Der deutsche Standard ist damit international kompatibel und erweiterbar sowie für alle Organisations- und Rechtsformen sowie -größen anwendbar

– mit verschiedenen Berichtsoptionen wie CSR-RUG, des NAP Wirtschaft und Menschenrechte, der EU-Taxonomie (s. Folie 16 ff Datei 20220712_NH-Berichter­stattungKMU_ÜberblickTrischler).

Die Berichterstattung erfolgt nach dem „comply or explain“-Prinzip, das es ermöglicht, plausibel über nicht erhobene Daten mit alternativen Lösungsmöglichkeiten zu berichten („Mut zur Lücke“ / DNK = Transparenzstandard).

Eine kostenfreie Datenbank mit den bisher veröffentlichten Erklärungen der über 800 DNK-Anwenderunternehmen sowie Branchenleitfäden sind verfügbar.

Auswahl der DNK-Branchenleitfäden:

  • Abfallwirtschaft und Stadtreinigung
  • Bankenverband
  • Energiewirtschaft
  • Ernährungsindustrie
  • Hochschulen
  • Sparkassen
  • Wohnungswirtschaft …

Für das Handwerk stehen ein Leitfaden und ein Online-Tool „Navigator für nachhaltiges Handwerk“ zur Verfügung.

 

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Quellen:

RKW Hessen GmbH – Sascha Gutzeit

Transformation zur Nachhaltigkeit GmbH – Anke Trischler